18. März 2016 Norbert Hillinger

Inside SXSW 2016 – keep the future weired

South by Soutwest klingt irgendwie magisch. Ist es auch. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen man geballt so unterschiedliche Charaktere trifft. Ganzkörpertätowierte Trash Metal Musiker aus New York und Armani Anzug tragende Angel Investoren aus dem Silicon Valley, brasilianische Coder und japanische Augmented Reality Experten, bärtige Agentur Hipster und dicke Brillen tragende Tech Nerds aus aller Herren Länder. Jimmy Wales von Wikipedia war da, Barack Obama sowieso, wer kann das noch toppen? Wir hatten auf Basis einer Einladung von KITE, unserem Partneruntenehmen aus San Francisco die Gelegenheit, das Aufeinandertreffen von Start Ups und Corporate America live mitzuerleben. Was könnte das Erlebnis besser beschreiben als das in Austin allgegenwärtige Wort: Weired.

Das US Magazin Fusion hat aus einigen Vortragstiteln der SXSW ein lesenswertes Gedicht gemacht, das eine gute Zusammenfassung der hier allgegenwärtig diskutierten Themen bietet und der Branche dabei auch einen Spiegel mit einer Brise Ironie vorhält

Wenn man mit den Leuten redet ist aber ein Thema allgegenwärtig: wie kann man den Umgang mit Innovation in den nächsten Jahren optimieren? Wie lautet die richtige Mischung aus Inside und Outside Innovation?

Matt Kaufman [@kaufman_matt], President von CrunchBase meint, dass innovative Bemühungen im Rahmen von Kooperationen zwischen Start Ups und Unternehmen oft als CRM Problem starten. Es gibt noch zu wenige Brückenbauer wie KITE, welche die Bedürfnisse beider Seiten verstehen. Innovation muss im Unternehmen stattfinden. Dies heißt aber nicht, dass die innovativen Impulse ausschließlich aus dem Kern des Unternehmens kommen müssen.

Visa geht hier mit gutem Beispiel voran. Das Unternehmen veranstaltet jedes Jahr eine Awesomeness Challenge, in der es sich frische Ideen von jungen Start Ups im Payment Bereich präsentieren lässt und dem Gewinner mit $25.000 sponsert. Dabei geht es aber nicht nur um den Gewinner sondern um den Kontakt und die frühestmögliche Integration von frischen Ideen und jungen Talenten in den Orbit des Unternehmens. Shiv Singh [@shivsingh], SVP Global Head of Digital & Marketing Transformation bei VISA meint dazu, dass das Team oft mehr von den Start Ups lernt, die nicht gewonnen haben und dass VISA darauf achtet, mit allen teilnehmenden Unternehmen auch nach dem Contest in Verbindung zu bleiben. So wurde auch gemeinsam mit KITE im Rahmen eines Sideevents der SXSW Interactive ein sogenannter Shark Tank veranstaltet, bei dem Start Ups eine Jury Ideen präsentierten und der Sieger Adam Neff von ledge nun aufgefordert ist, binnen kurzer Zeit den proof of Concept im Rahmen eines ersten Prototypen zu bringen.

Die Zusammenarbeit mit externen Innovatoren und Start Ups kann dabei interessante Erlebnisse bieten. Sich einzugestehen, dass man nicht „the smartest person in the room“ ist, kann auf Unternehmensseite durchaus eine neue Erfahrung sein, meint Jaime Fabricant [@jmefab], Senior Marketing Manager, Digital Strategy & Content von PepsiCo. Um erfolgreiche Outside Innovation im Unternehmen zu betreiben wird dieses Eingeständnis für viele wohl notwendig sein. Unter anderem auch für Pepsis Konkurrenten Coke, bei dem über 700 Mitarbeiter auf Ihrem Linked In Profil das Wort Innovation haben, aber laut Bachir Zeroul [@Ze_Bach] Global Director, Marketing Ventures, Coca-Cola vor allem im Bereich Marketing großen Wert auf die Zusammenarbeit mit externen Innovatoren gelegt wird. Er meint dazu: „In todays world it is not possible to only innovate inside. There´s smarter and faster people outside“.

Ein weiterer spannender Input kam im Rahmen eines persönlichen Gesprächs bei einer Abendveranstaltung der SXSW von niemand Geringerem als dem großen und oft gefürchteten Disruptor Amazon. Fred Neil, [@fredneil2] Global Head of Lifecycle Marketing & BI, Amazon gab uns den Rat, bei der Umsetzung des PLAYROOM Konzeptes genau darauf zu achten, bequeme Modifikationen nicht als Innovationen durchgehen zu lassen, auch wenn es manchmal wehtut. „People think they are innovative and when they look themselves into the mirror, they too often lie to themselves. Everyone has something to loose so no one wants to take a risk and tries to keep the status quo as long as possible. But only if you see risk taking as a necessity to survive in the long term you start to think radically new. This comes with the establishment of a failure culture that allows and empowers employees to take risks“.

Das Risiko nehmen 2016 en vogue ist sieht man bei der SXSW überall. Im Japan Haus battlen sich auf der Bühne nicht 25 jährige Studienabsolventen sondern dutzende ehemalige Top Sony Manager und Ingenieure um Investoren zu nahezu allen aktuellen Trend Themen, von Augmented Reality bis Wearables, von Robotics bis Human Body Communication per NFC.

Virtual Reality ist auf der SXSW omnipräsent und zweifelsohne eines der großen Themen der kommenden Jahre, am erstaunlichsten dargestellt beim NASA Labor auf der Ausstellung, wo man sich in der ISS und am Mars frei bewegen kann und beim Off Side Event von Porno Produzenten Naughty America, wo man einen vielversprechenden Use Case für VR ansehen kann. Free your mind! Beeindruckend auch die Studien und Live Demonstrationen von autonomen Sprachrobotern zum Themengebiet Androids and Future Life von Prof. Hisoshi Ishiguro von der University of Osaka, die einen Eindruck in die Interaktion zwischen Mensch und Maschine in einer nahen Zukunft geben. Das gilt auch für Dirk Ahlborn von HYPERLOOP, der sich nicht weniger als die Revolutionierung des öffentlichen Fernverkehrs vorgenommen hat und auf der SXSW einen Aufruf startet, bei dieser Revolution mit zu machen und sich zu bewerben. Bei all dem Lärm geht eine Technologie fast unter: 3D Druck. Zum aktuellen Status des Fortschritts meint Ping Fu, Chief Entrepreneur Officer von 3d Systems, das in den letzten Jahren bereits große Fortschritte gemacht wurden, der größte Show Stopper aber nach wie vor die Materialfrage ist. Ihre Vision für den kommerziellen Einsatz von Food Printing ist die Abschaffung des Kochbuchs und die Einführung eines Geschäftsmodells, bei dem man beim Star Koch online das Rezept gegen Bezahlung bestellt und die Kreation beim häuslichen 3D Drucker ausgedruckt wird. Bon Appetit.

Welche Technologien sich auch immer durchsetzten werden, eines ist klar: die Welt ändert sich rascher, als es uns vielleicht lieb ist. Nicht alle präsentierten Technologien werden sich 2017 durchgesetzt haben aber der Fortschritt kommt mit schnellen Schritten. Wir haben gar keine andere Wahl als uns heute schon mit Technologien von morgen auseinander zu setzten. Der Geist ist aus der Flasche und es sind längst nicht mehr die Nerds, die die Entwicklung treiben. Corporate America ist omnipräsent auf der SXSW und lechzt danach, neue Technologien und Know How von Start Ups frühestmöglich ins Ökosystem zu integrieren. Dieser Entwicklung sollten auch Unternehmen in Deutschland Tribut zollen, Augen und Ohren offen halten, Outside Innovation leben und Mitarbeiter damit motivieren, am Karussell der Open Innovation teilzunehmen.

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